[KI-Grafik] Lieblingshund

Mythen-Check: 10 Sätze über Hundetraining, die ich nie wieder hören will (und was wirklich stimmt)

Manche Sätze hört man immer wieder. Auf der Hundewiese, in gut gemeinten Ratgebern oder von Menschen, die es „schon immer so gemacht haben“. Und ich weiß: Meist kommt das nicht aus Bosheit, sondern aus Unsicherheit oder alten Bildern im Kopf.

Trotzdem können genau diese Mythen Mensch-Hund-Teams richtig im Weg stehen – besonders dann, wenn Du einen sensiblen oder ängstlichen Hund an Deiner Seite hast. Zeit also für einen liebevollen, klaren Realitäts-Check.

Bereit? Dann lass uns gemeinsam die größten Trainings-Mythen entwirren. Zusammen leben, zusammen wachsen.

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Mythos 1: „Der will dich nur dominieren.“

Warum ich seufze:
„Dominanz“ ist für viele eine schnelle Erklärung, wenn Verhalten unbequem wirkt. Aber Hunde planen keine Machtübernahmen. Sie reagieren auf Situationen, Gefühle und Lernerfahrungen.

Was wirklich dahintersteckt:
Oft geht es um Überforderung, Angst, Frust oder fehlende Strategie. Ein Hund, der knurrt, zieht oder „diskutiert“, sagt nicht: „Ich bin Chef.“ Er sagt: „Ich kann gerade nicht anders.“

Was hilft:

  • Bedürfnisse checken (Abstand? Ruhe? Sicherheit?)
  • Verhalten kleinschrittig aufbauen
  • Positive Verstärkung statt Gegendrücken

Mythos 2: „Der muss da durch – der gewöhnt sich schon.“

Warum das gefährlich ist:
Gewöhnung funktioniert nur, wenn der Hund unter seiner Angstschwelle bleibt. Muss er „durch“, lernt er nicht Sicherheit, sondern: „Es wird schlimm und ich bin allein.“

Was wirklich stimmt:
Angst wird nicht kleiner durch Aushalten, sondern durch Kontrolle, Dosierung und sichere Erfahrungen.

Was hilft:

  • Reiz so klein machen, dass Dein Hund noch denken kann
  • Erfolgsmomente sammeln
  • Notfall-Management akzeptieren (auch mal drinnen bleiben ist Training!)

Mythos 3: „Wenn er bellt, musst du ihn ignorieren.“

Warum das zu kurz greift:
Ignorieren kann sinnvoll sein – wenn es wirklich um Aufmerksamkeit geht und der Hund nicht gestresst ist. Aber viele bellen, weil sie etwas brauchen oder nicht aushalten.

Was wirklich dahintersteckt:
Bellen kann sein:

  • Alarm / Unsicherheit
  • Frust
  • Überdrehen
  • Kommunikationsversuch
  • Schmerz oder Unwohlsein

Was hilft:
Frag Dich: Was will mein Hund mir damit sagen?
Dann schaff eine Alternative, die er schaffen kann – und belohne sie.

Mythos 4: „Der braucht nur mehr Auslastung, dann ist er ruhig.“

Warum ich das nicht mehr hören kann:
Mehr Action macht nicht automatisch ruhiger. Bei vielen Hunden (gerade den sensiblen) erhöht zu viel Beschäftigung den Stresspegel.

Was wirklich stimmt:
Auslastung ist super – wenn sie regulierend wirkt.
Also: eher Nase, Kauen, ruhige Kopfarbeit, Körpergefühl statt Dauerbespaßung.

Was hilft:

  • Schnüffelspiele als „Nervensystem-Reset“
  • langsame Fitness-Übungen
  • klare Ruhe-Rituale (Deckentraining, Pausen)

Mythos 5: „Der weiß genau, was er falsch gemacht hat.“

Warum das ein Trugschluss ist:
Hunde verknüpfen Verhalten nur sekundengenau. Wenn Du später schimpfst, lernt er nicht „das war falsch“, sondern nur: „Menschen sind plötzlich unberechenbar.“

Was wirklich stimmt:
Hunde lernen im Moment. Punkt.

Was hilft:

  • erwünschtes Verhalten sofort belohnen
  • unerwünschtes Verhalten managen statt nachträglich strafen
  • umdenken: „Was will ich stattdessen sehen?“

Mythos 6: „Leckerli sind Bestechung.“

Warum das ein Missverständnis ist:
Bestechung ist, wenn Du ein Leckerli vor der Nase wedelst, damit dein Hund irgendwas jetzt sofort tut.
Belohnung ist, wenn Dein Hund gelernt hat: „Dieses Verhalten lohnt sich.“

Was wirklich stimmt:
Positive Verstärkung ist Lernen über Erfolg.
Und ja: Essen ist ein biologisch sinnvoller Verstärker. So wie Gehalt für uns.

Was hilft:

  • Markerwort / Clicker
  • Leckerli nach dem Verhalten
  • variabel belohnen, wenn’s sitzt

Mythos 7: „Wenn er Angst hat, darfst du ihn nicht trösten.“

Warum das alt ist:
Du kannst Angst nicht „verstärken“. Gefühle entstehen im Körper – die kannst Du nicht belohnen wie Sitz oder Platz.

Was wirklich stimmt:
Deine Nähe kann Co-Regulation sein.
Wenn Dein Hund Unterstützung sucht, ist das ein Geschenk.

Was hilft:

  • Sei ruhig, atme, bleib ansprechbar
  • biete Nähe an, zwing sie aber nicht auf
  • kombiniere Trost mit Handlungsspielraum („Komm, wir gehen“)

Mythos 8: „Der macht das absichtlich, um dich zu ärgern.“

Warum das unfair ist:
Ärgern setzt Absicht und moralisches Denken voraus. Hunde haben das nicht. Sie tun Dinge, die für sie Sinn ergeben – auch wenn der Sinn uns gerade fehlt.

Was wirklich stimmt:
Hunde wählen Verhalten, das ihnen hilft, Stress abzubauen oder Ziele zu erreichen.

Was hilft:

  • Verhalten als Information sehen
  • statt „Warum macht er das?“ eher: „Wozu macht er das?“
  • Bedürfnisse und Lernlücken erkennen

Mythos 9: „Ein guter Hund hört immer – egal was passiert.“

Warum das Druck macht:
Ein Hund ist kein Roboter. Selbst der besttrainierte Hund kann in Stress oder Angst nicht perfekt funktionieren.

Was wirklich stimmt:
Zuverlässigkeit entsteht durch:

  • passende Trainingsschritte
  • realistische Erwartungen
  • Management in schweren Situationen

Was hilft:

  • Trainiere dort, wo Dein Hund es schaffen kann
  • erwarte weniger in schwierigen Momenten
  • feiere Fortschritt statt Perfektion

Mythos 10: „Der muss das jetzt lernen, sonst wird das nie was.“

Warum das eine Falle ist:
Eile ist ein schlechter Trainer. Gerade sensible Hunde brauchen Tempo nach Maß. Druck macht nicht schneller, sondern wackeliger.

Was wirklich stimmt:
Lernen ist kein Wettrennen. Es ist Beziehung + Wiederholung + Sicherheit.

Was hilft:

  • Mini-Schritte
  • echte Pausen
  • „Heute ist ein schlechter Tag“ darf sein

Dein neuer innerer Satz statt all der Mythen

Wenn Du nur einen Gedanken mitnimmst, dann diesen:

Dein Hund ist nicht schwierig. Er hat es gerade schwierig.
Und Du musst ihn nicht „in den Griff bekommen“, sondern ihn verstehen lernen – mit liebevollen Grenzen, klaren Strukturen und positiver Verstärkung.

So wird aus Training kein Machtkampf, sondern ein Weg, der euch beide stärker macht.

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